IPM 2019

Sonderveröffentlichung

Imaginäres Gartencenter

Das Discovery Center auf der IPM 2019 blickte in die Zukunft und gab Anregungen zu neuen Entwicklungen.

Von Gerlinde Witt

Wer kauft zukünftig im Gartencenter ein? Und welche Erwartungen hat der Kunde der Zukunft? Das Discovery Center auf der IPM 2019 in Halle 8A hatte sich in diesem Jahr auf den Verbraucher von morgen konzentriert. Kreativ- Direktor Romeo Sommers präsentierte, wie Gartencenter mit einfachen Modifikationen Kunden inspirieren können. Und zeigte, welche Anforderungen die Branche erfüllen muss.

Untergliedert in zwei Bereiche zeigte Sommers Möglichkeiten, wie sich der Absatz beziehungsweise Verkauf steigern lässt. Im theoretischen Teil erläuterte er aktuelle Strömungen und Trends bezogen auf wichtige Kundengruppen.


„Wohlbefinden ist ein wichtiges Thema im Einzelhandel. Pflanzen sorgen für eine bessere Luftqualität und verringern Stress.“

Romeo Sommers, greenyourday.nl


Im Praxisteil kombinierte er sowohl Pflanzen und Zubehör, Gefäße und Accessoires, Technik und Ladenbau zielgruppengerecht und innovativ und präsentierte damit eine mögliche Umsetzung im Gartencenter oder Blumenladen.

Gesundheit und Wellness

Die Menschen würden sich nach Gesundheit und Wohlbefinden sehnen. „Die Verbraucher achten immer mehr auf eine gesunde Ernährung“, so Sommers. Nach dem Motto „Grow your own“ produzieren sie inzwischen ihr Obst und Gemüse selbst. Und auch Kräuter stehen in der Beliebtheit ganz oben auf der Liste.

„Um die tägliche Mahlzeit zu bereichern, ist noch nicht einmal ein großer Garten notwendig“, weiß der Trendforscher. Das ginge auch auf einem kleinen Grundstück, in einem Balkonhochbeet (von U-greeny, A-Linz) oder in vertikalen Pflanztonnen (wie Aponix, Heidelberg). Und der eigene Anbau müsse gar nicht mehr langweilig sein, sondern könne auch trendy, urban und kreativ präsentiert werden. Seine integrierten Beispiele: der Anbau des eigenen Tees (von Tea by me, NL-Zundert) oder die Idee, Kräuter für angesagte Cocktails zu ziehen.

Pflanzen für bessere Luft

Pflanzen (wie von Air so pure, NL-Naaldwijk) absorbieren Schadstoffe, filtern sie, nehmen CO2 auf, produzieren Sauerstoff und sorgen so insgesamt für bessere Luft, vor allem in geschlossenen Räumen. Wohnungen seien fünfmal mehr belastet als Außenbereiche. „Pflanzen sind im Haus wichtig, damit sich die Bewohner entspannter und stressfreier fühlen“, erklärt Sommers. Vor allem junge Leuten müssten erfahren, was Grün alles kann.

Die Farbe der Pflanze bestimmt Zubehör und Präsentation.
Die Farbe der Pflanze bestimmt Zubehör und Präsentation.
Romeo Sommers zeigte aktuelle Trends und neue Verkaufskonzepte.
Romeo Sommers zeigte aktuelle Trends und neue Verkaufskonzepte.

„Warum in verkaufsarmen Zeiten das Gartencenter nicht mal für Yoga-Kurse nutzen – inmitten der Pflanzen?“ fragt der Grünstylist. „Wir brauchen mehr Entspannungsmomente.“

Außerdem demonstrierte er in zwei „Wohnwelten“ den Trend „Indoor wird zu Outdoor“ und umgekehrt. Damit ließen sich ein Hochglanz-Pflanzgefäß oder eine Zimmerpflanze wie Kalanchoe auch für die Terrasse verkaufen. Oder mehr Freilandpflanzen in den Wohnraum ziehen. Platz ist sogar in kleinen Glasgefäßen oder in biOrb Aquarien (von Oase, Hörstel), mit oder ohne Wasser. Die perfekte kleine Welt.

Inspiration statt Etiketten

Anstelle des funktionalen Einkaufens rücke die Versuchung beim Einkauf immer mehr in den Vordergrund. „Der Verbraucher kauft nicht mehr nur eine weitere Pflanze, sondern der Kauf spiegelt seine Identität wider. Er will vom Gesamtauftritt inspiriert werden“, erklärt Sommers – unter anderem mit aussagekräftigen Postern und gelungenen Kombinationen.

Da rückt er dann auch einmal eine Calla, Symbol für Fröhlichkeit, oder die Begonien I‘conia (von Dümmen Orange), gar nicht langweilig, sondern interessant und trendig in Szene. Oder er geht bei der Gesamtpräsentation von der Farbe der Blumen (Rosa-Pink) aus und kombiniert sie mit farblich passenden Gefäßen – für In- und Outdoor, matt und glänzend, groß und klein.


Auf Kundengruppen spezifisch eingehen


„Welche neuen Konsumenten gibt es und welche Veränderungen kommen dadurch auf den Handel zu?“, fragte sich der niederländische Trendwatcher Romeo Sommers, als er das Konzept für das diesjährige Discovery Center entwickelte. Als wichtige Kundengruppen der Zukunft machte er vor allem die „New Eco Gardener“ sowie die „Hipster“ aus. Denn Sommers sieht mehr und mehr umweltbewusste Gärtner. Sie suchen einen nachhaltigeren, umweltfreundlicheren Weg zu gärtnern, unter stärkerer Berücksichtigung der Tierwelt und der damit verbundenen Risiken. Aspekte wie „Handmade“, Nachhaltigkeit, Transparenz, umweltfreundliche Verpackungen, regionale Produktion und deutsche Markenqualität, Authentizität sowie Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks seien ihnen wichtig.

„Hipster“ legen dagegen mehr Wert auf Extravaganz und Individualität. Sie sind modebewusst und wollen sich vom „Mainstream“ unterscheiden. Gartencenter können ihnen dafür vielfältige Inspirationen für ihre Wohnung und ihren Garten, für Terrasse und Balkon geben.


Immer mehr Verbraucher wünschen sich zudem „reine“ Produkte und verlangen Authentizität statt schöner Bilder oder Worte. Das heißt, sie interessieren sich für die tatsächliche Herkunft der Waren, wie bei Scheurich „made in Germany“ – kurze Lieferwege reduzieren den CO2-Ausstoß, hohe Flexibilität minimiert Restrisiken. Oder sie erwarten eine nachhaltige und umweltfreundliche Verpackung: Aufdruck mit Tinte auf Wasserbasis, wasserfeste Papierabdeckungen, recyclebare Töpfe, kompostierbare Trays.

Und sie wollen auch die Geschichte hinter den Produkten kennenlernen. Denn ein gutes Produkt allein überzeugt die Kunden heute nicht mehr. Es ist immer Teil einer größeren Geschichte.

Warum nicht einmal diese Geschichte erzählen, meint Sommers. Wie die von Horst Brandstätter, „Vater“ von Playmobil und Lechuza.

Moderne Technik nutzen

In den letzten Jahren habe sich ein großer Wandel vollzogen: 67 Prozent der Hobbygärtner nutzen inzwischen das Internet für eine Gartenberatung, so Sommers. Daher biete der Einsatz neuer Technologien gute Möglichkeiten, die Kunden zu erreichen.

Technik ließe sich aber auch nutzen, um die Leistung der Pflanzen darzustellen, wie beispielsweise per Fotosynthese- Monitor – ein hochmodernes System, das eigentlich für die langfristige automatische Aufzeichnung physiologischer Merkmale von intakten Pflanzen entwickelt wurde. Dementsprechend war das IPM Discovery Center nicht nur für Einkäufer und Entscheider von Gartencentern aufschlussreich und informierend. Sondern es sollte alle Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenführen: von Produzenten lebender grüner Produkte über Hersteller von Hardware und Gartenzubehör bis hin zu Anbietern von Gartenbautechnik, deren Technologien für den Endverbraucher relevant sind.


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