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Sonderveröffentlichung

Smart Data: Das neue Öl

Die wichtigste Ressource des Handels jetzt anzapfen: Es wird Zeit für die Grüne Branche.

Dr. Johannes Berentzen. Fotos: W&P
Dr. Johannes Berentzen. Fotos: W&P
Philipp Hoog.
Philipp Hoog.

Von Dr. Johannes Berentzen und Philipp Hoog, Dr. Wieselhuber & Partner

Kaum ein Thema beschäftigt Entscheider der Grünen Branche im Rahmen der Digitalisierung heute so sehr wie Fragen und Inhalte rund um Big Data. Im gleichen Zusammenhang streben zahlreiche Unternehmen eine Transformation hin zu einem „datengetriebenen Geschäftsmodell“ an, wie es heute die anscheinend übermächtigen US-amerikanischen Internetgiganten bereits verkörpern.

Fakt ist jedoch: Trotz all dieser Entwicklungen steht uns der Daten- Tsunami erst noch bevor! Hindernisse im Umgang mit massiven Datenmengen, die auch der Grünen Branche noch vielerorts im Weg stehen, sollten schnell identifiziert und beseitigt werden. Denn neben (teilweise übereifrigen) Bemühungen um Datenschutz und Datensicherheit mangelt es häufig an technischem und fachlichem Knowhow sowie entsprechend ausgerichteten Prozessen.

Big Data, Fast Data, Smart Data – ja was denn nun?


Mit dem Begriff Big Data wird zunächst eine gewaltige Datenmenge beschrieben, die nicht mehr allein durch klassische Datenbanken oder Daten-Management- Tools verarbeitet oder erfasst werden kann. Die Herausforderung: Unterschiedliche Datenformate, Datenquellen oder auch Aktualisierungsrhythmen erfassen und anschließend in ein für das Unternehmen relevanten Datenstrom zu überführen – quasi von Big Data zu Smart Data. Damit einhergehende Herausforderungen: Datenvolumen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Grad der Glaubwürdigkeit, Vielzahl der Datenquellen – und somit die Qualität der daraus gewonnenen Erkenntnisse.

Fast Data hingegen haben Echtzeitcharakter und sind als „Daten in Bewegung“ zu verstehen. Die große Herausforderung für Unternehmen der Grünen Branche: Zeitbezogene Daten schnell zu erfassen und sofort zu verarbeiten; zu entscheiden, wo diese gespeichert werden und zu welchem Zeitpunkt in welcher Form diese zu analysieren sind.

Letztendlich sind smarte Daten die interpretierfähige Summe aller gesammelten, strukturierten und geordneten Daten und damit das gewünschte „Endergebnis“. Diese Daten sind für klar definierte und nutzenoptimierte Analysen aufbereitet und erklären nicht nur, was im Unternehmen oder seinem Umfeld passiert, sondern auch „warum“ dies geschieht.

Schlussfolgerungen für Entscheider


1. Verständnis und grundlegende Einstellung
Der Datenstrom vergrößert sich monatlich, täglich, stündlich, mitunter sekündlich und besitzt damit das Potenzial, vorhandene IT-Strukturen schlichtweg zu sprengen oder zumindest stark zu verlangsamen. Die Herausforderung für Unternehmen: Aus dem immer größer werdenden Datenstrom, die für sich jeweils wichtigen Informationen – Smart Data – zu destillieren, um bessere und schnellere Entscheidungen tätigen zu können.

2. Evaluation des Status Quo
Eine kritische Analyse und ehrliche Bewertung der vorhandenen Fähigkeiten des Unternehmens im Ganzen und der verantwortlichen Mitarbeiter im Besonderen ist zwingend notwendig. Das gleiche gilt für den Datenschutz, die Datensicherheit sowie die IT-Infrastruktur des Unternehmens. Erst auf dieser Basis lässt sich ein Smart Data Management aufbauen.

3. Die richtigen Daten auswählen
Kaum eine Handelsbranche ist derart von Saison- und Wettereinflüssen abhängig, wie die grüne Branche. Die Verknüpfung externer Daten (zum Beispiel Wetter- und Temperaturdaten, Verkehrsdaten, Feiertage) mit internen Daten (zum Beispiel Kundendaten, Abverkaufszahlen, Warenkorbanalysen) zu interpretierfähigen, smarten Daten ermöglicht eine höhere Entscheidungsqualität – in Echtzeit und lokal zugeschnitten.

4. Neue Strukturen aufsetzen
Die Geschwindigkeit, mit der immer größere Datenmengen erzeugt werden, war noch nie so hoch – und sie wird weiter steigen. Notwendige Erneuerungen der Strukturen müssen vorgenommen, ein neuer Umgang mit Daten implementiert und konsequent gelebt werden. Ein Überfluss an Daten und Informationen sowie rasche technische Weiterentwicklungen erfordern Flexibilität in den Systemen und Köpfen.

Fazit


Egal ob externe oder interne Daten: „Data is the new oil.“ Damit ist Smart Data zu einer bedeutenden Managementaufgabe und Grundlage für alle Digitalisierungsvorhaben auch in der Grünen Branche geworden. Es geht nicht darum, das „digitalste“ Unternehmen der Welt zu werden und sich mit Google, Apple, Facebook und Amazon zu messen. Es wäre jedoch ratsam, innerhalb der eigenen Branche über den höchsten „digitalen IQ“ zu verfügen. Das heißt ein passendes und zeitgemäßes Datenmodell, den Zugang zu den notwendigen Daten und die richtigen Mitarbeiter mit Datenverständnis nicht nur in der IT, sondern in allen Abteilungen.

„Sonderpreis Baumarkt“

DIY Discount-Format sichert sich Marktanteile

Discounter sind in Deutschland sehr beliebt und der Handel hat über die Jahre in allen Warenbereichen seine Kunden zur Preissensibilität erzogen. So fand der neue Lebensmitteldiscounter „Mere“ auf Grund seiner Niedrigpreisstrategie so viel Anklang, dass der leergekaufte Markt nach nur zwei Tagen auf Grund von Lieferengpässen wieder schließen musste.

Doch während diese strategische Lücke im Lebensmitteldiscount erst noch mit Billig-Formaten erschlossen werden will, ist das in der Baumarktbranche längst passiert: Heimlich, still und leise ist hier in den letzten zehn Jahren mit dem „Sonderpreis Baumarkt“ ein ernst zu nehmender Mitbewerber zur traditionellen Großfläche herangewachsen.

Konzept: Bewährte Aldi-Manier


Auf Verkaufsflächen von maximal 1.000 Quadratmetern mit einfacher, zweckmäßiger Ladeneinrichtung werden beim Baumarkt- Discounter nur die gängigsten Artikel für Heim-, Handwerker oder Renovierer angeboten. Die Preise unterbieten Player wie OBI, Hornbach, hagebaumarkt und Co. dabei deutlich, teilweise um die Hälfte. Diese aggressive Sortiments- und Preisstrategie in Kombination mit einer konsequenten Standortpolitik, die auf günstige Immobilien in unmittelbarer Nähe zu den „großen Brüdern“ setzt, ist offenbar erfolgreich: Filialnetz und damit Marktanteile von Sonderpreis Baumarkt wachsen.

Dynamischere Kleinfläche bislang ohne Gegenentwurf


Die Reaktion der Wettbewerber? Die lässt aktuell noch auf sich warten. Entweder ist ihnen dieses „Stück vom Kuchen“ mit einem Gesamtumsatz von 250 Millionen Euro (noch) zu klein. Oder aber sie sind nicht in der Lage, auf die deutlich dynamischere Kleinfläche entsprechend zu reagieren. Denn: Viele Baumarktbetreiber haben sich bereits an der Kleinfläche versucht. Bisher mit eher mäßigem Erfolg. Nur wenige Formate wie das hochwertige Nachbarschaftsformat „Horst“ von Hagebau in Hamburg stechen da positiv hervor. Und auch bei der Rabattpolitik sind vormals schon einige gescheitert – wie Praktiker mit „20 Prozent auf alles“ zeigte.

Fazit


Im Lebensmittelhandel haben Discounter wie Aldi und Lidl in den letzten Jahren durch ständiges Uptrading ihr ursprüngliches Konzept mittlerweile quasi selbst überholt – und den Ring frei gemacht für Runde zwei mit Harddiscountern nach dem Muster von Mere. Im Gegensatz dazu befindet sich die Bau- und Heimwerkermarktbranche in Sachen Harddiscount noch in Runde eins. So bleibt es vor allem spannend, ob und welchen Hut die Großflächenbetreiber angesichts der weiteren Expansion des agilen Angreifers in den Ring werfen werden ...

Dr. Johannes Berentzen,
Mitglied der Geschäftsleitung
Dr. Wieselhuber & Partner


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