Erden & Dünger

Sonderveröffentlichung

Trends bei Erden & Düngern: Bio, torffrei, speziell, bequem

Die gesellschaftlichen Megatrends spiegeln sich im Erden- und Düngermarkt wieder. Wie sich die Industrie auf Silver Society, Individualisierung, Urbanisierung, Globalisierung und Neo-Ökologie mit ihren Produkten und Konzepten einstellt, erklärt Dr. Arne Hückstädt vom Industrieverband Garten in einem Vortrag.

Von Renate Veth

Megatrends treiben weltweit die Veränderung in allen Lebensbereichen. Sie prägen Gesellschaft und Wirtschaft langfristig bis in die Produktebene hinein. Selbst in den Erden- und Düngermarkt:

Silver Society – Ein 60-jähriger fühlt sich wie ein 50-jähriger. Dieses Downaging führt dazu, dass sich die Kundenansprache künftig weniger an den Generationen, sondern am einzelnen Individuum, der Person ausrichtet.

Individualisierung – Jeder möchte individuell sein. Die Produkte der grünen Branche sollen dem eigenen Stil Ausdruck verleihen. Das führt zu personalisierten Waren.

Urbanisierung – Bereits jetzt leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Dabei hält die Landflucht weiter an. Das „Stadtgärtnern“ hat bereits jetzt viele Ausdrucksformen hervorgebracht. Sie reichen von der Saatgutbombe über Indoorfarming und Balkongemüse bis hin zu funktionalen grünen Wänden.

Globalisierung – Kennzeichen eines Megatrends ist, dass er sich nicht nur im eigenen Land, sondern weltweit ausdrückt. Die Konnektivität wird über das Internet und die Mobilität der Menschen unterstützt. Das führt zu einem länderübergreifenden Handel, der auch in der grünen Branche neue Märkte eröffnen könnte.

Neo-Ökologie – Dieser Megatrend wird Märkte radikal verändern. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Bio und Naturschutz werden zum Leitmotiv in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Biene steht ausdrucksvoll für diesen Trend. Die Menschen kaufen bienenfreundliche Pflanzen, richten den Balkon danach aus, achten auf entsprechende Labels.

Wie sich die Megatrends bei Erden & Düngern auswirken

Die Entwicklung bei Erden und Düngerprodukten spiegelt die Themen wieder. Ein großer Trend der vergangenen Jahre sind Komfortverpackungen bei Erden.

Auf den Trend zu Hochbeeten haben verschiedene Erdenhersteller mit Befüllungskonzepten reagiert, die den Schichtaufbau eines echten Hochbeetes nachahmen. Die Industrie bietet dem Handel ein komplettes Konzept an, das im Gartencenter im Verbund mit einem Hochbeet-Bausatz ausgestellt werden kann.

Spezialerden sind im Kommen

Spezialerden und Spezialdünger sind ein großes Verkaufsthema der vergangenen Jahre. Der Konsument kann sie einfach anwenden, braucht nicht darüber nachzudenken, ob er über- oder unterdosiert. Die junge Generation hat ein Erfolgserlebnis. Es bietet sich an, Spezialdünger und Spezialerden gemeinsam mit der dazugehörigen Pflanze am Point of Sale zu präsentieren.

Der CO2-Fußabdruck ist besonders in der jungen Generation angekommen. Welchen Carbon Footprint hinterlasse ich als Individuum in der Welt? Das fragen sich immer mehr Menschen. Das beeinflusst das Einkaufsverhalten. Bei den Erdenherstellern gibt es die unterschiedlichsten Ansätze, den Footprint ihrer Produkte zu optimieren. Hebel zur CO2-Einsparung sind Rezepturen, beispielsweise die Verwendung von regionalen oder nachwachsenden Rohstoffen.

Erden mit Zusatznutzen

Erden können heute mehr, zum Beispiel Wasser speichern oder ein Depot für Dünger sein. Stoffe wie Aqua control ermöglichen es, dass Pflanzen nach längerer Gießpause das Wasser besser aufnehmen. Ein Aktivdüngerdepot, das bis zu sechs Monate ein Nachdüngen im Balkonkasten erübrigt – ein Zusatznutzen, der Kunden wichtig ist: „Einmal pflanzen, die ganze Saison Dünger mit dabei“.


Chancen für den Handel


◾ Doppelplatzierung von passenden Pflanzgefäßen, Dünger und Erden neben der Pflanze erhöht den Mitnahmeeffekt.

◾ Gute Beratung über torffreie und torfreduzierte Erden steigert Erfolgserlebnis beim Kunden.
◾ Neue Drucktechniken ermöglichen individualisierte Produkte.
◾ Kunden haben keine Markenaffinität wie bei Elektronik.
◾ Für Kundenprojekte gibt es spezielle Marken- und Funktionskonzepte.
◾ Platzieren Sie Erden mit dem eigenen Logo nicht in der Erdenstraße, sondern offensiv und prominent im Eingangsbereich.


Bio für das eigene Gemüse

Bio-Erden, dass sind Produkte, die organisch aufgedüngt sind, und Bio-Düngemittel spielen immer mehr eine Rolle. In den Zimmern dieser Welt wachsen jetzt Salat, Kräuter – der urbane Mensch möchte seine Pflanzen 100 Prozent Bio. Er möchte daher auch Bio-Düngemittel und Bio-Erde und hat dann ein komplettes Bio Produkt.

Dieser Trend setzt sich fort mit Veggiedüngern – der Kunde, der sich vegan ernährt, möchte seiner Pflanze keine tierischen Bestandteile zuführen. Er düngt seine Pflanze „veggie“.

Rasen – ein besonderes Wachstumsfeld

Ein Trend der letzten Zeit ist das Thema Rasen. Ob Rasensand, Rasendünger kombiniert mit Mikroorganismen oder Rasendünger, der auch gegen Unkraut und Moos wirkt – Rasen wird immer wichtiger, man möchte seine kleine Oase optimal und möglichst naturnah ernähren.

Dazu kommt: Mähroboter spielen auch bei Düngemitteln eine wichtige Rolle. Die Industrie stellt sich mit Rasenmischungen und Rasendünger, die speziell auf Mähroboter abgestimmt sind, darauf ein. Die Rezepturen sorgen dafür, dass der Mähroboter nicht ganz soviel zu mähen hat und die Nährstoffe, die in den Rasen zurückfallen, darauf abgestimmt sind.

Trends im Pflanzenschutz

Im Pflanzenschutz gilt zunehmend das Motto: „Vorbeugen statt heilen“. Der Trend geht zu anwenderfertigen Mischungen und Pflanzenextrakten statt Chemie. Zum Beispiel sind Mischungen aus Nährstoffen und Aminosäure- Zusätzen verfügbar, die die Pflanze von der Wurzel von innen heraus schützen oder Gieß- und Sprühmittel aus Pflanzenextrakten, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe heilende und vorbeugende Wirkung haben. Der Trend Bio-Pflanzenschutz setzt sich fort: Stark im Kommen ist der Naturstoff Neem.

Wo geht die Reise hin?

Die Megatrends unterstützen und befruchten sich gegenseitig. Erden mit Zusatznutzen nehmen zu. Künftig könnten bestimmte Erden mit Mikroorganismen versetzt sein, die spezielle Funktionen ausüben. Aufgrund eigener Forschung der Industrie wird sich das Angebot von funktionellen Zusätzen wie Biokohle (Terra Petra) und mykorrhizahaltigen Erden qualitativ noch weiter verbessern. Mykorrhizahaltige Erden sollen der Pflanze bereits an der Wurzel einen Schub geben, auch um den Pflanzenschutz etwas zurücknehmen zu können.

Neben den Themen Bio und torffrei wird es in den nächsten Jahren darum gehen, torffreie Bio-Erden im Markt zu platzieren. Die Firmen treiben ihre eigene Forschung dahin, Formulierungen zu finden, mit denen die Kunden die ganze Saison noch ein Erfolgserlebnis haben.

Torffreie und stark torfreduzierte Produkte sind beratungsintensiv, da sich Gieß- und Düngeverhalten von bisherigen Produkten unterscheiden können – Fach Gartencenter sind da im Vorteil. Chancen ergeben sich auch aus der Individualisierung von Produkten. Über neueste Drucktechnik ist es möglich, dass Erden mit Firmenlogo und Namen des Händlers bedruckt werden können. Damit kann sich der Handel identifizieren sowie individualisieren und von den großen Ketten absetzen.

Kunden der grünen Branche haben noch keine Markenaffinität. Das eröffnet Möglichkeiten, ganze Konzepte anzubieten, beispielsweise die Pflanze mit der passenden Erde und dem Dünger, ein schönes Pflanzgefäß dabei – ein Rundumsorglos Paket, mit denen der Handel Mitnahmeeffekte erzielen kann.


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