EDV/Software

Sonderveröffentlichung

Vom Dropshipper zum Marketplace – Systemwechsel bei olerum.de

Bisher war Olerum ein Gemeinschafts-Webshop der VDG-Mitglieder (Verband Deutscher Gartencenter). Zukünftig wird olerum.de als Omni-Channel-System Gartencenter und Dropshipper auf einer Plattform miteinander vernetzen.

Von Heike Hoppe

Bereits angekündigt (beispielsweise im Artikel ‚Viel Platz für Frische: Green Wall Home Kit‘

), seit dem 1. Februar ist es Wirklichkeit: Der Verband Deutscher Gartencenter (VDG) richtet das Geschäftsmodell des verbandseigenen Webshops olerum.de neu aus und vernetzt in Zukunft Gartencenter und verschiedene „Dropshipper“ (siehe Kasten unten). Ein eigenes Lager wird es nicht mehr geben. Damit verzichtet Olerum auf den eigenen Versand des Sortiments, der im Jahr 2018 auch nur noch 40 Prozent des Umsatzes ausgemacht hatte. Stattdessen wird der Warenversand zukünftig über eine Vielzahl an spezialisierten Partnern (Dropshippern) abgewickelt. Was ist neu, wie funktioniert Olerum in Zukunft und welche neuen Möglichkeiten haben die VDG-Mitglieder, die den Funktionsumfang der neuen Omni-Channel-Lösung ausnutzen wollen? TASPO-Redakteurin Heike Hoppe ließ sich das neue Olerum-Konzept von Green Solutions Marketingleiter Nils Neumann erklären, der zum Konzeptionsteam des neuen Shops gehörte und daher mit den Zielen und der Neuausrichtung von Olerum bestens vertraut ist.


Nils Neumann, Green Solutions.
Nils Neumann, Green Solutions.



„Die Gartencenter integrieren das Olerum-Sortiment in den eigenen Webshop, stellen aber auch ihrerseits Artikel bei Olerum ein.“


Nils Neumann, Marketingleiter Green Solutions


TASPO: Herr Neumann, beschreiben Sie das Konzept des neuen Webshops Olerum.  

Nils Neumann: Die wichtigste konzeptuelle Anpassung bei der Neuausrichtung des Webshops ist die folgende: Der VDG will noch stärker als bisher die Möglichkeiten des vernetzten E-Commerce ausnutzen und seinen Mitgliedern einen leistungsstarken Omni- Channel-Marktplatz bieten. Das Gartencenter kann sein eigenes regionales Sortiment in den Marktplatz von Olerum „einspeisen“ und damit die Reichweite von olerum.de nutzen, um seine Ware noch breiter im regionalen Kontext zu vermarkten.

Aber auch die umgekehrte Richtung ist möglich: Das Gartencenter kann auf das gesamte Sortiment von olerum.de zugreifen und selbst entscheiden, mit welchen Artikeln oder Sortimenten es den eigenen Webshop ergänzen möchte. Diese bidirektionale Anbindung ist ganz neu und möglicherweise weltweit einmalig.

TASPO: Wie genau funktioniert das? Welche unterschiedlichen Rollen spielen die Beteiligten? Beziehungsweise können sie spielen?  

Nils Neumann: Die Gartencenter- Webshops, olerum.de und die Dropshipping-Lieferanten werden konsequent miteinander vernetzt: Zunächst stellen die Dropshipping- Lieferanten ihre Artikel olerum.de zur Verfügung. Ole rum.de hat praktisch mit allen Dropshipping-Lieferanten verhandelt und die Artikel/Sortimente in einem System mit Fotos, Texten, Daten und so weiter zusammengefasst. Olerum.de verkauft die Artikel dann im eigenen Namen, wobei diese Artikel ausschließlich per Paketdienst oder Spedition verschickt werden.


Was ist nochmal Dropshipping?


Dropshipping ist eigentlich kein neuer Begriff. In der Logistik spricht man von Dropshipping, auch „Streckengeschäft“, wenn ein Händler seine Waren bei einem Großhändler lagert und im Fall einer Kundenbestellung die Ware direkt von dem Großhändler an den Endkunden versendet wird. Im Zusammenhang mit dem Online-Handel bekommt Dropshipping aber eine neue Dimension der Sortimentsgestaltung: Der Online-Händler bietet in seinem Webshop Produkte an, ohne sie selbst auf Lager zu haben. Wenn ein Kunde ein solches Produkt bestellt, versendet es der Webshop-Betreiber nicht selbst; die Bestellung wird an einen „Dropshipper“ geleitet, also zum Hersteller oder Großhändler, der die Ware dann direkt zum Kunden schickt. Der Endkunde merkt gar nicht, ob die Lieferung „dropgeshippt“ wurde. Zu keiner Zeit weiß er, wer der Großhändler ist, weil er nur Kontakt mit dem Webshop- Betreiber hat. So versteht sich, dass sich nur sehr zuverlässige Lieferanten für das Dropshipping eignen.

Vorteile von Dropshipping:
◾ Keine Lagerkosten
◾ Versand muss nicht selbst durchgeführt werden
◾ Zeitersparnis (Ware kommt direkt vom Dropshipper zum Kunden)
◾ Sortimentsvergrößerung (den Kunden ist im Webshop nicht sichtbar, welche Waren vom Webshop-Betreiber kommen und welche vom Dropshipper)

Nachteile von Dropshipping:
◾ Qualitäts-Endkontrolle nur in Stichproben möglich
◾ Möglicherweise Diskussionen um Zuständigkeit bei Reklamationen
◾ Wenn der Kunde nicht zufrieden ist, fällt der Imageschaden auf den Online-Händler zurück


Die Gartencenter können auf dieses aufbereitete Sortiment von olerum.de zugreifen und diese Artikel in den eigenen Webshop überführen und vermarkten. Für jeden verkauften Artikel erhält das Gartencenter eine Provision. Darüber hinaus können die Gartencenter auch die Artikel aus ihrem eigenen Webshop auf olerum.de einstellen. Der Vorteil für das Gartencenter ist, dass Besucher von olerum.de dann die Artikel auch online kaufen und im Gartencenter abholen können (Click & Collect) oder online kaufen und das Gartencenter liefert im bestimmten Umkreis aus (Click & Deliver). Dadurch hat das Gartencenter den direkten Kontakt zum Kunden und der Endverbraucher hat eine noch schnellere Warenverfügbarkeit.

Insgesamt ist der „Time to market“ für ein Gartencenter, mit einem Webshop zu starten, denkbar einfach und schnell. Außerdem geht die Identität des Gartencenters nicht verloren, da alles im eigenen Namen dargestellt und abgewickelt wird.

TASPO: Welchen Sinn haben die vielen unterschiedlichen Versandoptionen?  

Nils Neumann: Durch die verschiedenen Versandmöglichkeiten wird vor allem der regionale Ansatz von olerum.de weiter gestärkt, denn der Endverbraucher entscheidet selbst, aus welcher Region die Ware geliefert wird und wie sie zu ihm gelangt. Neben dem Paketversand kann er auch regionale Lieferarten wie Click-and-Collect (bestellen und abholen) oder Lieferung im Umfeld auswählen. Aufträge dieser Art werden entsprechend von den angeschlossenen Gartencentern vor Ort abgewickelt.

TASPO: Haben wir es richtig verstanden, dass mit der neuen Omni-Channel-Lösung ein Gartencenter bei olerum.de gleichzeitig Anbieter und Nutzer sein kann?  

Nils Neumann: Genau! Die teilnehmenden Gartencenter können nicht nur das Olerum-Sortiment – ganz oder teilweise – in den eigenen Webshop integrieren, sondern auch ihrerseits Artikel bei olerum.de einstellen. Damit wird olerum.de immer mehr zum Marketplace mit nationaler Reichweite. Diese systematische Vernetzung aller Teilnehmer bietet den Endkunden die maximale Flexibilität, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Ware am Bequemsten bestellen und erhalten.

Der Olerum-Nutzer kombiniert in Zukunft die Sortimente unterschiedlicher Dropshipper - auf Wunsch auch mit eigenen Artikeln, die er selbst auf Lager hat und seinerseits anderen anbietet.
Der Olerum-Nutzer kombiniert in Zukunft die Sortimente unterschiedlicher Dropshipper - auf Wunsch auch mit eigenen Artikeln, die er selbst auf Lager hat und seinerseits anderen anbietet.

TASPO: Wo liegen für Olerum und den VDG die Vorteile einer Zusammenarbeit mit Ihnen, dem Softwarehaus Green Solutions?  

Nils Neumann: Unser System bietet bereits eine Infrastruktur, die die Anforderungen einer bidirektionalen Anbindung der Teilnehmer abbilden kann. Vor allem die komplexen Abwicklungsprozesse zwischen olerum.de, Gartencentern und Dropshippern lassen sich über unser Omni-Channel-System (OCS) bequem steuern.

Wir haben auch das Webdesign grundlegend und auf ein zeitgemäßes Mobile-First-Konzept (siehe Kasten unten) angepasst. Von Vorteil ist natürlich, dass wir zu 100 Prozent auf die Gartenbau-Branche spezialisiert sind und sehr viele Synergie-Effekte nutzen, etwa unsere riesige „grüne“ Datenbank mit über 300.000 Fotos, über 1.000 Videos, über 5.000 redaktionellen Themen, über 130.000 Produkten und über 50.000 Pflanzen oder die bestehende Vernetzung zu den Dropshipping Lieferanten.

Außerdem betreuen wir schon zahlreiche Gartencenter und Gärtnereien, die unser OCS System einsetzen und somit direkt kompatibel für eine Anbindung zu olerum.de sind.

TASPO: Was genau steht alles zur Verfügung?  
 

Nils Neumann: Mit der Cloudbasierten Omni-Channel-Lösung können wir alle relevanten Kanäle im Online- und Offline Bereich zentral aus einem System verwalten. Die Olerum-Besucher sehen über alle Kanäle hinweg einheitliche Informationen auf Basis der Green Solutions Datenbank.

Jedes Gartencenter kann sich das Omni-Channel-System auf seine Anforderungen und Wünsche zusammenstellen – wie bei einem Baukasten. Dazu zählen beispielsweise neben der Webseite oder dem Webshop auch Newsletter, Apps, Beschilderungen, Gartenplaner und anderes. Ein besonderes Highlight ist der individualisierbare Gutschein, das heißt der Webshop Besucher kann sich Gutscheine selbst mit Foto und Text individualisieren und zu Hause ausdrucken und dann im jeweiligen Gartencenter stationär oder online einlösen.

TASPO: Was sind die nächsten Schritte? In welche Richtung wird sich Olerum entwickeln?  
 

Nils Neumann: Olerum wird zukünftig eine noch stärkere Vernetzung zum stationären Handel herstellen. Kommt beispielsweise ein Olerum-Besucher von der Website eines angebundenen Gartencenters, werden direkt Angebote dieses Gartencenter ausgespielt, etwa auf der Startseite. Kommt ein Besucher über Google auf den Marketplace, werden regionale Angebote des am nächsten gelegenen Gartencenters angezeigt.


Mobile First


„Mobile first“ bedeutet, dass bei der Gestaltung einer Internetseite beziehungsweise eines Webshops zuerst an die mobile Nutzung gedacht werden soll - also an die Anwender, die von unterwegs, meistens vom Smartphone aus, ihre Einkäufe vornehmen. Der Grund: immer mehr Internet- Nutzer surfen von unterwegs statt vom PC aus. “Mobile first“ bedeutet aber auch, dass die Google-Suchergebnisse anhand der mobilen Version einer Website bestimmt werden.

In Bezug auf das Design liegt der Vorteil in der großen Darstellung der Fotos und der Schrift, was insbesondere bessere Möglichkeiten für eine emotionale Darstellung bietet – beim Thema Garten nicht ganz unwichtig! (hh)


TASPO: Können Sie unseren Lesern beschreiben, was die Olerum-Gartencenter festsetzen und konfigurieren müssen, bevor sie mit dem neuen Olerum an den Start gehen können?  

Nils Neumann: Zunächst einmal müssen die Gartencenter ihr gewünschtes Sortiment auswählen. Sie können mit einem Klick jeweils ein vollständiges Sortiment eines bei Olerum hinterlegten Lieferanten übernehmen, beispielsweise Erden, Dünger oder Gefäße. Dies kann zum Beispiel auch als verlängerte Ladentheke dienen: im stationären Geschäft hat man vielleicht nur ein paar Erden, aber im Webshop das Vollsortiment.

Die vorhandene Warenwirtschaft können die Gartencenter nutzen, um die Verfügbarkeit bei Click und Collect oder Lieferung im Umkreis zu gewährleisten – mit eigenen Preisen.

TASPO: Wie wird Olerum in den Webshops der Gartencenter integriert? Geht das leicht?  

Nils Neumann: Die Integration ist unkompliziert, wenn der Webshop des Gartencenters auch das Green Solutions OCS einsetzt. Das Gartencenter wählt die gewünschten Artikel und Sortimente von olerum.de entweder selber aus, oder Green Solutions führt dies in Abstimmung mit dem Gartencenter durch. Die gesamte Anbindung lässt sich vollautomatisieren, sodass Verkäufe in dem eigenen Webshop direkt über Olerum zum Dropshipper übertragen werden. IT-Kenntnisse seitens des Gartencenters sind dabei nicht erforderlich. Alternativ kann auch ein Halbautomatismus konfiguriert werden, bei dem das Gartencenter jede Bestellung im Webshop prüfen kann und gegebenenfalls die Ware selbst bereitstellt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Content im Artikelprofil. Hier hat der Webshop-Betreiber die Möglichkeit, die Artikelinformationen von Olerum zu nutzen, auf die Green Solutions Datenbank zuzugreifen oder eigenen Content zu verwenden.

Weitere Infos:
www.olerum.dewww.green-solutions.de


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